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Die Luft im See wird knapp

13.08.2015
 

Annika Bischof und Caroline Reul 13.08.2015 08:29 Uhr - Aktualisiert 13.08.2015 14:31 Uhr
Red. Beeskow, beeskow-red@moz.de

Die Luft im See wird knapp

Beeskow/Eisenhüttenstadt (MOZ) Obwohl ihr Lebensraum im Wasser ist, lässt die Hitze die Fische in den hiesigen Gewässern nicht kalt. Zwar gibt es noch keine Meldungen im Landkreis, dass ein Fischsterben eingetreten ist, Bedenken haben die Fischer dennoch.

© MOZ/Jörn Tornow

"Aktuell beißen die Fische nicht", erzählt Andreas Voigt, Vorsitzender des Fischerei- und Naturschutzvereins Dorchesee in Schwerzko. Von dieser Erfahrung haben ihm in den vergangenen Wochen mehrere Angelfreunde berichtet. "Die Fische halten sich am Boden der Gewässer auf und stehen still",sagt er. Dass sie nicht beißen wollen, sei da noch das kleinere Übel.

Denn das Verhalten der Tiere lässt darauf schließen, dass sie sich zur Zeit nicht wohl fühlen. Andreas Voigt führt das einerseits auf den Luftdruck zurück, dessen Veränderungen den Fischen zu schaffen machen. Ein anderer Grund wiegt aber schwerer. "Durch die Hitze gibt es wenig Futter", erklärt er. Und noch viel wichtiger: "Auch der Sauerstoffgehalt nimmt mehr und mehr ab." Lebensgefährlich sei das für die Wasserbewohner, die den Sauerstoff aus dem Wasser filtern.

Die warmen Temperaturen fördern zudem den Wachstum von Algen, die den Gewässern wiederum zusätzlich Sauerstoff entnehmen. Am Dorchesee in Schwerzko, führt Andreas Voigt weiter aus, gibt es in diesem Jahr aber noch keine gravierenden Schwierigkeiten. "Während die Dorche selbst schon trocken ist, haben wir das Glück, dass der See von einer Quelle gespeist wird. Auch am Abfluss fließt noch Wasser ab", erzählt er. So finde noch ein Wasseraustausch statt, bei dem frischer Sauerstoff in den See gelangt.

Ansonsten hat er in der näheren Umgebung noch nichts von schlimmen Problemen gehört. Aus eigener Erfahrung kennt er sie trotzdem - aus den Vorjahren. "Vor zwei Jahren hatten wir am Kantop mal große Probleme mit der Schwarzalge", erinnert er sich. Diese weiche Masse ist besonders gefährlich für Gewässer. Um Abhilfe zu schaffen, hatte damals die Feuerwehr einen Teil des Wassers abgepumpt und dem Weiher mit Strahlrohren wieder zugeführt. "So haben wir das Gewässer quasi umgewälzt. Die Algen verschwinden dann wieder und das hilft den Fischen", erklärt der Experte.

Dass es derzeit akute Probleme aufgrund der Hitze für die Fische gebe, kann auch Ines Klaffert von der Unteren Fischereibehörde des Landkreises Oder-Spree nicht bestätigen. "Nach Abstimmung mit dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises liegen keine Informationen über das Auftreten von Veränderungen am Fischbestand vor", hält sie fest. Dennoch treten bislang Probleme aufgrund der niedrigen Wasserstände auf. "Die davon betroffenen Gewässer drohen durch die anhaltend hohen Temperaturen umzukippen", sagt Ines Klaffert. Das bedeutet, die Sauerstoffarmut nimmt zu.

Genau das befürchtet auch der Fischer Olaf Zahl aus Giesensdorf. "Noch eine Woche sind die Temperaturen verkraftbar", schätzt der Pächter von drei Gewässern, darunter die beiden Seen in Kossenblatt und einen Teil der Spree. "Wenn der See stickt, dann ist es vorbei", sagt er mit Blick auf seine Existenz. Er geht davon aus, dass vor allem die älteren Fische die Hitze am wenigsten verkraften. "Aufgrund ihrer Größe benötigen sie am meisten Sauerstoff", erklärt der Giesensdorfer. Sollte der See umkippen, dann rechnet er mit einem Verlust von rund 20Prozent. Dieser ließe sich erst im Laufe von fünf Jahren wieder generieren - ein Existenzrisiko.

So hofft Olaf Zahl, dass sich das Wetter zeitnah ändert und ihm der Anblick von toten Fischen erspart bleibt. "Keine Sonne, dafür Wind und Regen sowie kühlere Temperaturen wären gut", wünscht er sich. Erst dann würde das Wasser umgewälzt und genügend Sauerstoff gelange in die Seen.

Auch aus touristischer Sicht hofft beispielsweise Ines Klaffert, dass es nicht wie vor zwei Jahren am Großen Kossenblatter See aufgrund der Hitze zu Fischsterben kommt. "Urlauber schätzen die guten Bedingungen zum Angeln bei uns", erzählt sie, da wäre der Anblick von toten Fischen kein schönes Urlaubserlebnis.

 

 

 

Foto: Noch gelingt der Fang: Diesen fünf Kilogramm schweren Zander zog Fischer Olaf Zahl am Mittwoch aus dem Kossenblatter See. Er gilt nach der Forelle, die es in dem Gewässer nicht gibt, als empfindlichster Speisefisch in Bezug auf Sauerstoffmangel.